Geschichte

Girsberg im Wandel der Zeit 1473–2026

Über 550 Jahre Schlossgeschichte

Schloss Girsberg wurde wahrscheinlich vom Geschlecht der Gyren erbaut, deren Stammhaus in der Nähe von Stein am Rhein lag. Ein Zweig der Familie siedelte sich hier auf dem Seerücken vor den Toren von Konstanz an.

Schloss Girsberg wird erstmals 1473 als Besitz des Konstanzers Konrad Kupfermann urkundlich erwähnt.

Kaiser Rudolf II. von Habsburg

Im 16. Jh. gehörte Girsberg zum Besitz Kaiser Rudolfs II. von Habsburg. Unter seiner Regierung wurde Schloss Girsberg zum Freisitz mit dem Recht der «niederen Gerichtsbarkeit». Nach der Legende erbaute der Urenkel Johannas der Wahnsinnigen in einem seiner wachen Momente die Kapelle an der Nordseite des Herrenhauses, nachdem er das Gut dem Kloster Zwiefalten als Fluchtburg und Statthalterei übereignet hatte. Sein Beichtvater berichtete zu jener Zeit: «Er ist nicht besessen, freilich leugne ich nicht, dass böse Geister den Kaiser durch allerhand Vorstellungen täuschen».

Gregor Abt zu Zwiefalten

Die Reichsabtei Zwiefalten erneuerte im späten 18. Jahrhundert das Gut unter der Regierung von Abt Gregor nach französischem Vorbild “entre cour et jardin”. 1803 wurde Girsberg säkularisiert. Sein neuer Besitzer, Kurfürst Herzog Friederich II. von Württemberg, verkaufte Girsberg an die Hugenottenfamilie Macaire in Konstanz.

Die Zeppelins

Das Bankhaus Macaire verwaltete die Vermögen der ehemaligen Königin von Holland, Hortense Bonaparte, welche den benachbarten Arenenberg gekauft hatte. Durch sie lernte Graf Friedrich von Zeppelin Amelie Macaire kennen, die er kurz darauf heiratete. 1840 schenkte Macaire der jungen Familie den Girsberg zu Weihnachten.

Graf Zeppelin als Konfirmand

Der Erfinder des starren Luftschiffes, Graf Ferdinand von Zeppelin, verbrachte auf Girsberg seine Jugend. Bereits als Jugendlicher experimentierte er mit Luftballons. Dass seine Jugendträume massgebend waren für seine späteren Grosstaten, sagte er an seinem 70. Geburtstag auf Schloss Girsberg.

Das Luftschiff LZ1 über den Bodensee

2. Juli 1900: Erfolgreicher Start des ersten Luftschiffes LZ1 in Manzell am Bodensee

Rückkehr nach Girsberg

Graf Zeppelin kehrt 1890 nach Schloss Girsberg zurück.

Nach seiner Verabschiedung aus dem Militärdienst befasst sich Zeppelin mit dem Bau eines starren Luftschiffs. Bei der Ausarbeitung seiner Luftschiffpläne arbeitete Graf Zeppelin mit dem Ingenieur Theodor Kober zusammen. Gemeinsam entwickelten sie die technischen Grundlagen seines Vorhabens – trotz erheblicher Zweifel und Widerstände.

1894

Eine von Kaiser Wilhelm II. berufene Sachverständigenkommission erklärt das Projekt für undurchführbar. Trotzdem erwirbt Zeppelin ein Deutsches Reichspatent auf einen «lenkbaren Luftzug».

1895

Zeppelin reicht eine überarbeitete Patentanmeldung für einen «lenkbaren Luftfahrzug mit mehreren hintereinander angeordneten Tragkörpern» ein. Das Patent wird 1898 erteilt.

1896

Zeppelin wird Mitglied im Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Eine Kommission beurteilt sein Projekt positiv.

1898

Zeppelin gründet die «Aktiengesellschaft zur Förderung der Luftschifffahrt» mit einem Stammkapital von 800’000 Goldmark. Davon stammen 420’000 Mark aus seinem Privatvermögen.

1900

Am 2. Juli steigt LZ 1, das erste Zeppelin-Luftschiff, bei Manzell am Bodensee zu seiner ersten Versuchsfahrt auf. Das 128 Meter lange Luftschiff wurde in einer schwimmenden Halle gebaut. Seine erste Fahrt dauert rund 18 Minuten. Zwei weitere Versuchsfahrten folgen am 17. und 24. Oktober.

Schloss Girsberg durch die Siegermächte beschlagnahmt

Graf Ferdinand von Zeppelin übernahm das Gut 1870 von seinem Vater. Nach seinem Tod 1917 erbte seine Tochter, Gräfin Hella von Brandenstein-Zeppelin, das Schlossgut. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs diente Girsberg der Familie als Sommerresidenz. Nach Kriegsende wurde das Anwesen als «deutsches Eigentum im Ausland» beschlagnahmt und sollte liquidiert werden. Alexa Baronin von Koenig-Warthausen, die Enkelin Graf Zeppelins, setzte sich mit grosser Entschlossenheit gegen die drohende Liquidation ein. Nach einem Bericht des Schweizer Fernsehens gelang es ihr mit Unterstützung einflussreicher Schweizer Verwandter, diese zu verhindern und das inzwischen stark heruntergekommene Anwesen zurückzuerlangen.

Alexa Baronin von Koenig-Warthausen bewahrte Girsberg

Alexa Baronin von Koenig-Warthausen (1911–1997), geborene Alexa Gräfin von Brandenstein-Zeppelin, war eine Enkelin des Luftschiffpioniers Ferdinand Graf von Zeppelin und eine der bedeutendsten Bewahrerinnen des Zeppelin-Erbes. Seit 1961 lebte sie auf dem Familiensitz Schloss Girsberg in Kreuzlingen, wo sie sich mit grosser Hingabe für den Erhalt des historischen Anwesens einsetzte.

Mit Tatkraft und persönlichem Engagement erweckte sie das Schloss zu neuem kulturellem und gesellschaftlichem Leben. Als Gastgeberin empfing sie Künstler, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Freunde des Hauses. Wegen ihrer warmherzigen, humorvollen und unkonventionellen Art war sie weit über die Region hinaus bekannt.

Am 5. August 1997 starb Alexa auf ihrem geliebten Schloss Girsberg. Ausgerechnet an diesem Abend wurde auf dem Schlossgelände das Theaterstück «Der Besuch der alten Dame» von Friedrich Dürrenmatt aufgeführt. Während die Vorstellung lief, verstarb Alexa Baronin von Koenig-Warthausen in ihrem Zuhause. Dieses ungewöhnliche Zusammentreffen verlieh ihrem Abschied eine besondere symbolische Bedeutung. Vielen blieb der bewegende Satz in Erinnerung: «Die alte Dame hat uns verlassen.»

Schloss Girsberg wird 1983 Eigentum der Familie Schmid-Andrist

Die Enkeltochter des Grafen Zeppelin im Gespräch mit dem Ehepaar Schmid-Andrist und dem «Koenig der Lüfte»: Friedrich-Karl Freiherr von Koenig-Warthausen. Er brach 1928 als Erster mit einem Leichtflugzeug zu einer Weltreise auf – ein Abenteuer, das 18 Monate dauerte.